Die erste Flaschenpost


Dies ist er also, mein allererster Blog-Eintrag, sozusagen meine allererste Flaschenpost, die ich schreibe und dann voller Mut ins digitale Meer werfen werde. Ohne zu wissen, ob sie jemand lesen wird.
Ich habe beschlossen, das Leben nicht mehr so ernst zu nehmen, und mich selbst nicht mehr, mit so um Perfektion bemühten Augen zu betrachten. Stattdessen, strebe ich nun mit frischen 30 Jahren, die Umsetzung der Quantitätstheorie an. So wie ein Gärtner sich nicht auf ein einziges Samenkorn verlassen würde (egal wie liebevoll er es auch umsorgt), so werde ich mir auch zugestehen, eine ganze Handvoll Samenkörner zu nehmen und in den Acker meines Lebens zu streuen. Ohne eine Ahnung zu haben, ob und wo etwas davon Blüten tragen wird.
Neil Gaiman spricht von dieser Theorie in seiner bewegenden ‚Make Good Art‘ Rede und Woody Allen lebt es schon seit Jahrzehnten aus. Wenn ich hundert Flaschen ins Meer werfe, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass eine davon, mir etwas zurückbringt, was ich gebrauchen kann oder die Seele von jemanden berührt, der sie zufällig findet.
Schon früher gab es diese Flaschenpost-Versuche in meinem Leben, doch ich habe mich stärker an die Vorstellung geklammert, sie mögen mir doch etwas ganz Bestimmtes einbringen, als mich einfach überraschen zu lassen. So wie sich ein Single in einer Partnerbörse anmeldet, um die Liebe zu finden, und dabei meist übersieht, dass er den besten Freund, ein gutes Jobangebot oder einfach nur einen spaßigen Mailaustausch finden könnte, wenn er dafür offen wäre.
Wenn ich eins in meinem Leben gelernt habe, ist es, dass der Erfolg (egal worum es geht), oft aus ganz unerwarteten Ecken kommt. Erzwungene Chancen, stellten sich später meist als keine heraus, wobei der berüchtigte Zufall sich als zuverlässiger erwies.
Die Flaschenpost mit den Buchbesprechungen auf Youtube (Glimmerfee-Kanal) brachte mir zum Beispiel sehr viel Liebe, Bücher, starke Erfahrungen und sogar ein paar meiner engsten Freundschaften ein. Dabei wollte ich ehrlich gesagt, in der Buchbranche einen Fuß in die Tür bekommen und mir den Weg zu einem Buchvertrag ebnen. Etwas, nach dem ich am Schluss gar nicht mehr strebte, weil ich wusste, dass ich noch ein paar geschlängelte Wege einschlagen muss, bevor ich überhaupt selber dafür bereit bin. Schließlich kann das Saatkorn einer Chance nur wachsen, wenn das Feld dafür bereitet ist und meins war es definitiv noch nicht.
Die Flaschenpost der Promi-News, die ich eine Zeit mit größter Freude verzapfte, brachte mir Anerkennung, Selbstwert und einen guten Durchblick, wie die Medien und Fans funktionieren. Dabei war alles, auf das ich mich damals konzentrierte, die Klickzahlen der Beiträge. Es war definitiv einer meiner glücklichsten Lebensabschnitte, nur leider habe ich es gar nicht wahrgenommen. Ich war viel zu sehr davon besessen, mich gegen meine Konkurrenten durchzusetzen, eine Nachricht schneller zu bekommen als die anderen Promiseiten ...
Oh, in meinem Leben gab es schon so viele Flaschenposten. Karate, Zeichnen, Wahrsagen, Internet-Tagebuch, Harry Potter Fanclub ... Der Unterschied zu heute ist nur, dass ich immer Erwartungen hatte, was sich daraus entwickeln sollte.
So schmiss ich zum Beispiel als Jugendliche, irgendwann aufgrund meiner damaligen Clique, eine Flaschenpost mit meiner ganzen (ein wenig geheuchelten) Begeisterung für Finnland ins Meer. Im Grunde erwartete ich, dass sie mir einen attraktiven Freund mit dem Hang zur Farbe Schwarz, Anerkennung und intellektuellen Austausch bescheren würde. Letztlich brachte es mir etwas ganz anderes – Spaß. So viel Spaß, dass ich vor lachen keine Luft mehr bekam und zumindest für einen flüchtigen Moment ein Gefühl von Gruppenzugehörigkeit empfand. Damals wusste ich es gar nicht zu schätzen, weil ich nur auf meinen dunklen Prinzen wartete und auf jedes irritierte ‚Wie, du willst Finnisch lernen?‘ lauerte, was für mich eine gewisse Anerkennung bedeutete, schließlich interessierte sich für diese Sprache nicht jeder. Ich kam mir in meiner Naivität, sehr individuell und geheimnisvoll vor. Dabei war ich nichts weiter als ein schwarzangemaltes Schaf, in einer Herde schwarzer Schafe.
Ich mag diese Vorstellung von mir, wie ich jetzt am Meer mitten in der Nacht stehe, weit aushole und eine Flaschenpost, nach der nächsten in die Wellen werfe. Keine Ahnung, warum es in meiner Fantasie unbedingt Nacht sein muss, vielleicht weil es einfach romantischer ist. (Für all die, die es interessiert, die Nacht ist lauwarm, es gibt Palmen im Hintergrund und am Himmel funkeln die Sterne).
Es ist spannend zu beobachten, was passiert, wenn ich meinen Hobbys und Interessen jetzt einfach folge, ohne etwas zu erwarten. Vielleicht entspannen mich Ausmalbücher für Erwachsene gar nicht, sondern bringen mir eine Idee zu einem Buch? Vielleicht finde ich auf dem Flohmarkt nicht den Globus, den ich suche, sondern den Mann meiner Träume?
Vielleicht sollte ich einfach mal versuchen, weniger alles kontrollieren zu wollen, was für mich im ersten Moment ein bisschen erschreckend klingt? Ich mag es, wenn alles berechenbar ist, wenn Ursache und Wirkung unumstößliche Naturgesetze sind, aber in Sachen Flaschenpost, scheint es nur einen einzigen Gott zu geben und der heißt Zufall.
Diese Flaschenpost des eigenen Blogs, werfe ich ins Meer, weil ich derzeit eine Schreibblockade bei meinen Romanen habe. Mein ganzes Leben montiert sich selbst ab und ich stehe in einem Trümmerfeld von allem, was ich in zwölf Jahren, wenn nicht gar länger, aufgebaut habe und ich habe nicht die Muße, die Probleme meiner Romanfiguren zu bewältigen - meine eigenen rauben mir schon den Schlaf.
Mein Kopf ist trotzdem angefüllt mit Gedankenschnipseln. Schreiben gehört zu mir wie das Atmen. Es ist für mich lebenswichtig. Ich brauche ein Ventil für meine Gedanken, also warum nicht all diese Ideen und Überlegungen einkorken und einfach hinaus in die Weiten des Internet werfen? Vielleicht findet sie ja jemand und kann etwas damit anfangen.



Kommentare

  1. Ich bin begeistert und freue mich auf weitere Beiträge ❤

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  2. Hoffe, deine Flaschenpost findet die richtigen Empfänger.

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  3. Ein wirklich inspirierender Post. Ja, lieber Dinge ihren Weg gehen lassen als sein Schicksal bestimmen zu wollen. Und ruhig Chancen ergreifen, selbst wenn etwas anderes herauskommt, als man denkt. Manchmal fällt es einen schwer, aber man kann häufig Bekanntschaften machen oder Erfahrungen machen, die man sich vorher gar nicht vorstellen konnte (Und es ist ja sozusagen bewiesen, dass das Universum zu faul für Zufälle ist 😉). Ich versuche auch seit einiger Zeit mehr den Weg als das Ziel zu genießen. Ich liebe auch die Idee mit der Flaschenpost und sie passt genial, wenn man einen neuen Blog aufmacht, da ich dann auch an Abenteuer und Entdeckungsreisen spontan denke. Viel Glück noch mit deinem Blog und hoffe, du wirst viele Follower bekommen.

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