Was ich letzte Woche erfahren habe - Vom Tod bis zur Gartentherapie


Was habe ich in dieser Woche (oder eher drei Wochen) erfahren? Rein persönlich, empfinde ich es als sehr viel, aber nicht alles davon ist erwähnenswert. Rein instinktiv denke ich, dass eines der Hauptthemen Cortisol war. Von fast überall schreit es mich an, als könnte man es vergessen! Schließlich sorgt es für die netten Schwimmreifen am Bauch und damit sind nicht die aufblasbaren aus Plastik gemeint. Aber legen wir los!

Kann uns Sokrates, tatsächlich eine Lehrstunde darin erteilen, vor dem Tod keine Angst zu empfinden? Mir wäre es lieber, er gebe uns eine Lehrstunde, wie man den Tod überwindet, aber man kann ja den alten Griechen nicht alles an Weisheit abverlangen.
Bevor ich den Text über Sokrates las, erwähnte irgendjemand beiläufig, dass ihn der Philosoph in seiner Jugend in Bezug auf den Tod, sehr beruhigt habe aber es ergab sich nicht die Gelegenheit weiter nachzubohren. Wie gut, dass mir das Schicksal (beliebig kann man hier auch Worte wie Zufall, Gott oder Ähnliches eingefügt werden) die fehlenden Informationen jetzt zukommen ließ.
So sah Sokrates, den Körper als eine Art Gefängnis für unsere Seele. Soll heißen, wenn wir den Körper verlieren, werden wir erst richtig frei.
Schade, dass ich das nicht so recht glauben kann, denn Hemingway hatte leider Recht, als er behauptete, dass alle Geschichten mit dem Tod enden und wer das verschweigt, ein schlechter Geschichtenerzähler ist. Man kommt halt nicht drumherum, irgendwann taucht der Sensemann bei einem auf und schneidet den Lebensfaden durch. Da hat man es als Sokrates einfacher, wenn man glauben kann, dass man dann erst echte Freiheit genießen wird.
Da ich Freiheit mit Leben assoziiere, bedeutet es also, dass man erst sterben muss, um zu leben. Eine Thematik, mit der sich auch Falco in seinem Song ‚Out of the Dark‘ beschäftigte.
Viel wichtiger, ist aber vielleicht eine Frage, die ein anderer Österreicher aufgeworfen hat. Karl Kraus wollte nämlich wissen, ob es überhaupt ein Leben vor dem Tod gibt.
Oscar Wilde hätte dieses bezweifelt, meinte er doch, dass die meisten Menschen nur existieren und die wenigsten von uns leben.


Themenwechsel. Da beschäftige ich mich, immer mal wieder sporadisch mit dem Thema Handlesen, und stolpere erst jetzt über Graf Louis Hamon (Künstlername Cheiro). Er las meinen Stars aus der Hand und ich entdecke ihn jetzt erst? Wie konnte ich ihn nur übersehen? Mark Twain, Oscar Wilde, Edward VIII. ... Sogar Mata Hari soll er die Zukunft prophezeit haben.
Okay, ich wusste, dass Wilde sich hatte aus der Hand lesen lassen, aber nicht, dass der Mann, der es tat, selbst eine kleine Berühmtheit war. Wilde sagte man damals, dass seine linke Hand, die eines Königs sei und die rechte, die eines Königs, der sich selbst ins Exil schickt. Nach seiner Haft ging er noch einmal zu einer Wahrsagerin und diese meinte, dass er schon, bereits seit zwei Jahren tot sein müsste. Sie erklärte es sich damals so, dass er nur noch mit dem Kopf, aber nicht mehr körperlich wirklich gelebt habe. Alles eine Frage der Interpretation?
Ich mag ja solche übersinnlichen Geschichten. Was nicht heißt, dass ich sie glaube, aber an einige von ihnen will ich gerne glauben.
Ja, zurück zum eigentlichen Thema. Cheiro war für mich wirklich unbekannt gewesen, aber als ich einer Freundin davon berichtete (Kartenlegerin/Astrologin/Handleserin), wusste diese sofort, von wem ich sprach. Sie besitzt sogar Bücher von ihm! Ja, da kann man es mal wieder sehen, das Leben hat auch in diesem Sinne, immer wieder Überraschungen für mich auf Lager.
Cheiro hat mit einem Mix aus Numerologie, Astrologie und Handlesen gearbeitet. Also quasi ein All-Inclusive-Paket der Wahrsagerei.
Ich hoffe darauf, noch mehr über ihn und seine Prophezeiungen zu erfahren. Wie gesagt, ich liebe diese Art von Geschichten.


Zudem habe ich ein wenig über Hemingways vierte und letzte Ehefrau Mary Welsh gelesen. Ob es wirklich ein Segen war diesen berühmten Mann an ihrer Seite zu haben, wage ich mal, zu bezweifeln. Es war wohl eher ein ‚Aushalten‘ mit ihm. Nicht nur, dass er körperlich und seelisch einen starken Abwärtslauf absolvierte, er verhielt sich zeitweise auch noch provokant feindlich ihr gegenüber.
Dennoch gilt Mary Welsh als eine weitere von Hemingways ‚starken Frauen‘, schließlich war sie Journalistin.
Muss man seinem Lebensretter auf Ewigkeit gegenüber voller Dankbarkeit sein? Zu ihrem Lebensretter wurde Hemingway, weil sie gestorben wäre, hätte er nicht den Arzt eingeschüchtert. Mary hatte nämlich eine Bauchhöhlenschwangerschaft und es kam zu einem Riss im Eileiter. Der Assistenzarzt war vollkommen überfordert, doch Hemingway zog sich Kittel und OP-Maske über. Ganz ehrlich, wer wollte schon Hemingway in die Quere kommen? Dann macht man sich lieber an die Arbeit, auch wenn man sich unsicher ist, ob es die rettenden Schritte sein werden. Es ging gut, das Kind war zwar verloren, aber Mary lebte. Ein Ereignis das Hemingway eine Zeit beflügelte, glaubte er, dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen zu haben.
Man muss sich, als moderne und emanzipierte Frau vorstellen, dass Mary 1952 zu Thanksgiving ihrem Ehemann einen Dankesbrief schrieb, weil er nicht mit der jungen Versuchung ins Bett gehüpft war und sich auch sonst schon längere Zeit gut benahm.
Und dann schießt er sich 1961 in der Diele, mit einer Schrotflinte den Kopf weg, während sie oben im Bett schläft. Sein Kopf wurde (für alle die üble Bilder mögen) so sehr zerfetzt, dass man nicht mehr sagen konnte, ob er sich die Flinte vor die Stirn gehalten hatte oder in den Mund nahm. Zähne, Gehirnmasse und Blut klebten am Fußboden und an den Wänden. Wenn man sich schon umbringen muss, dann doch bitte nicht so egoistisch Mr. Hemingway! Den Anblick hätte er seiner Frau doch wenigstens ersparen können.
Vor Jahren habe ich ‚Die Selbstmordschwestern‘ von Jeffrey Eugenides gelesen und dort wurde die These aufgestellt, dass Selbstmord in betroffenen Familien gehäuft vorkommt. Damals konnte ich das gut verstehen, denn bei einer Familie in unserem Bekanntenkreis, standen die Schwestern immer direkt auf der Kippe. Auch in Hemingways Familie traten recht häufig, vorher und nachher, Selbstmorde auf. So erschoss sich Hemingways Vater im Dezember 1926, 1966 beging Schwester Ursula Selbstmord, Bruder Leicester (1982) und Enkelin Margaux (1996).


Ich wage mich noch an einen anderen ganz besonderen Schriftsteller: Dem koffeinabhängigen Marcel Proust. Nein, ich lese nicht sein Megawerk ‚Auf der Suche nach der verlorenen Zeit‘. Ich beschäftige mich mit ihm als Person.
Aufmerksam auf ihn bin ich durch den Film ‚Little Miss Sunshine‘ geworden. Ist da nicht eine der tragenden Weisheiten, dass die schlechten Zeiten wichtiger im Leben sind, weil man sich in diesen und durch diese weiterentwickelt? Ich glaube, mich vage erinnern zu können.



Mein Herz für Exzentriker schlägt da mal wieder höher, sodass ich jetzt an Proust klebe. Fast 14 Jahre verbrachte Proust im Bett, unter einem Stapel dünner Wolldecken, und schrieb sein Megawerk. Fürs Schreiben opferte er dann letztlich sein Leben, weil er den Rat seiner Ärzte letztlich nicht befolgte. So wuchs sich seine Grippe zur Lungenentzündung aus. Er wollte seine Zeit, aber lieber mit Schreiben, als mit Heilung verbringen.
Sein eiserner Wille, diese ganzen Worte zu Papier zubringen, hatte sein Vater in ihm entflammt, der ein bekannter Arzt war, der sich im Kampf gegen die Cholera und Beulenpest hervortat. Kinder berühmter Eltern können ein Lied davon singen, wie schwer es ist, sich gegen Papa oder Mama durchzusetzen. Da muss man schon was ganz Besonderes leisten.
Die ersten Versuche scheiterten, aus Daddys Schatten zu treten. Als Anwaltsgehilfe hielt Proust nur zwei Wochen durch und die Diplomatenlaufbahn schied aus, weil er die geliebte Mama und das geliebte Paris hätte verlassen müssen. Die Anstellung in der Bibliothek, war nicht gut für seine Lunge und so war er die meiste Zeit krank.


Kommen wir zum Thema Cortisol. Wie schon angekündigt, mein Wochenthema schlechthin. Der Supermann unseres Körpers, der irgendwie nur Scheiße baut, zumindest im Nachhinein.
Zum Einen, soll er der Dickmacher überhaupt sein. Man gibt heute auch zu bedenken, dass neben den ganzen Ernährungsfaktoren, die unsere ‚erste Weltgesellschaft‘ dick machen, es auch reichlich Stress gibt. Diesen Stress, in dem es um gesellschaftlichen Status, Termine etc. geht, der uns unter Druck setzt, ohne das es zu einer körperlichen Auseinandersetzung oder einer schweißtreibenden Flucht kommt. Wann immer wir in Stresssituationen geraten, erscheint unser Superheld Cortisol und übernimmt erst einmal, die Aufgabe des Beruhigens - zumindest, so habe ich es verstanden.
Wird Cortisol regelmäßig von der Nebenniere ausgeschüttet, zieht unser vermeindlicher Superheld aber leider auch eine Schneise der Verwüstung hinter sich her. Nicht nur, dass wir dadurch immer dicker werden und uns deswegen noch mehr Stress machen, weil unser Selbstwertgefühl sinkt, nein, er stört zusätzlich noch empfindlich unser Immunsystem. Außerdem nimmt Cortisol Einfluss auf die Blutgerinnung, Wundheilung und Impfungen. Sogar die Schuld an Rheuma könnte man ihm vielleicht mit in die Schuhe schieben.
Cortisol wird auch der Gummiband-Effekt zugeschrieben. Während wir Stress haben und das Cortisol wirkt, hält sich unser Körper und auch das Immunsystem wacker, danach kracht es zusammen. Daher kommt auch der Schnupfen am Wochenende oder im Urlaub.
Vielleicht fühlen wir uns sogar nicht einmal gestresst, nehmen ihn nicht mehr bewusst wahr, aber anhand der Cortisolmenge im Blut, können Ärzte ablesen, ob wir extrem unter Stress leiden. Bei Babys, die bereits nach kurzer Zeit, aus ihren gewalttätigen Ursprungsfamilien geholt wurden, war der Cortisolspiegel noch nach Jahren etwas erhöht.
Selbst bei gleicher Ernährung / gleicher Kalorienzufuhr, sorgt Cortisol dafür, dass wir bis zu 5 kg im Jahr zunehmen. Abnehmen wird so natürlich deutlich erschwert, wenn nicht gar verhindert. Glück im Unglück ist, dass sobald der Stress nachlässt, auch Meister Cortisol wieder abhaut und er nimmt die Hungerattacken gleich mit.
Die gute Nachricht ist, dass wir uns jetzt nicht alle mit Achtsamkeitsübungen oder Meditation abmühen müssen, um das Cortisol in seine Schranken zu weisen. Ich komme damit nämlich leider nicht klar und benötige eine andere Lösung. Die bietet sich im selbstvergessenen Handeln. Also einfach abschalten, malen, basteln, spazieren gehen, schreiben, lesen ... Einfach mal sich selbst vergessen. So wie damals, als wir noch Kinder waren.
Stress und Anspannung können schon reduziert werden, wenn man einfach mal die Hände für ein paar Sekunden locker hängen lässt.
Nicht verkrampfen! Schööööön locker bleiben!


Man muss nicht irre/bekloppt/anormal sein, um einen Psychologen aufzusuchen, sondern weil man viel zu sehr versucht, sich in die Gesellschaft einzupassen. Also vielleicht doch besser das schwarze Schaf in der Herde zu sein und es auch zuzugeben?
Das wir durch das ewige ‚Ja-Sagen‘ und anpassen, krank und unzufrieden werden ist klar, zusätzlich kostet es unglaublich viel unserer Kraft.
Wir orientieren uns heute nicht nur an unserem ‚Dorf‘, also der Gesellschaft, die direkt vor unserer Haustür auf uns wartet, sondern zusätzlich noch global. Wir bekommen in Form von Statistiken auch noch schriftlich geliefert, was Normalität bedeutet. Zudem präsentieren uns Medien, ihre Sicht der Normalität, die genauso wahrhaftig ist, wie die der Barbie-Puppe.
Exzentrik hilft in solchen Situationen. Wobei ich die Definition mag, dass Verrücktsein und Exzentrik sich lediglich darin unterscheidet, wieviel Geld man besitzt. Wer also nicht über die finanziellen Mittel verfügt, ein wahrer Exzentriker zu werden, sollte es sich zugestehen ein klitzekleines bisschen verrückt zu sein, denn das hält gesund und jung.
Exzentriker jedenfalls, leben laut Studien länger und sehen noch dazu jünger aus. Vielleicht, weil sie sich weniger stressen, und dadurch seltener Cortisol auf den Plan rufen, so dass es nicht an der Gesundheit herum nagen kann.
Wer kennt sie denn nicht? Die Geschichten von diesen widerborstigen Exzentrikern, die den Erben, einfach nicht den Gefallen tun und endlich sterben?
Vielleicht ist an der Sache doch mehr dran als nur ein Drehbuchschreiber, der seiner Fantasie freien Lauf gibt?
Außerdem gibt es wesentlich interessantere Geschichten zu erzählen, wenn man Exzentriker um sich hat. Die Hollywoodschönheit Greta Garbo, ließ sich bei einer Schifffahrt das Abendessen, immer in einem anderen Rettungsboot servieren. Oder nehmen wir die Tante der Kunstmäzenin Peggy Guggenheim, die an Bushaltestellen Tonleitern sang, sich schlampig anzog, jedoch sich mit Blumen im Haar schmückte. Und mit Salvador Dalí brauchen wir gar nicht erst anfangen ...
Wenn wir alle keine Eigenheiten hätten, worüber sollten sich dann unsere Nachbarn, Freunde und Verwandte das Maul zerreißen? Wären wir dann nicht auch in unserer stereotypen Art stinklangweilig?


Auch will ich euch nicht vorenthalten, dass ab dem Jahre 476, die europäische Kunst für einige Zeit Dornröschen spielte. Es gab ja schon vorher Kunst wie die Höhlenmalereien der Steinzeit und man denke an die Kunst des antiken Rom und Griechenland.
Warum war da also erst einmal keine große Entwicklung mehr in der europäischen Kunst, die erst in der Renaissance begann wirklich zu erblühen? Die Antwort – das Christentum!
Erst einmal muss man verstehen, dass Malerei laut der Bibel verboten war! Schließlich stand im 2. und im 5. Buch Mose, dass man sich von nichts ein Bildnis machen darf. Alles was im Himmel, auf der Erde oder im Wasser existiert, sollte für Maler und Bildhauer tabu sein.
Dann kamen allerdings Diskussionen unter den christlichen Gelehrten auf. Wie wollte man den Glauben, im Volk erhalten, dass mit nüchternen Buchstaben nicht viel anfangen konnte? Schon im alten Rom, hatte man Bilder benutzt, um dem Volke Geschichte und Glauben näher zubringen.
Schließlich setzten sich die Bilder wieder durch - allerdings nicht immer und überall. In Byzanz ging es hin und her und Calvin reformierte für sich das Ganze auch noch mal. Ich habe selten etwas Trostloseres gesehen, als eine schmucklose calvinistische Kirche, aber mich sollte man da nicht fragen, denn ich bin so geschmacklos, dass ich dem üppigen Barock etwas abgewinnen kann.


Interessant für alle jungen Mütter, oder die es noch werden wollen: Es gibt mittlerweile Schreiambulanzen. Wenn das Kind zum Schreikind wird, kann man dort Hilfe finden.
Das kann Babys auch noch heute vor dem Tod bewahren, weil die Eltern irgendwann durchdrehen. Einer Freundin von mir, hätte ihr ewiges Schreien als Baby, damals fast das Leben gekostet. Die Mutter war so überlastet, dass der Vater ihr das Kind gerade noch aus den Händen nehmen konnte. Die Nerven lagen durch das anhaltende Geschrei blank. Nach ein paar Tagen Ruhe, ging es dann wieder mit der Psyche bergauf, und das Baby konnte ohne weitere Zwischenfälle erwachsen werden. Die Bindung zur Mutter ist großartig, auch wenn man daran jetzt vielleicht zweifeln mag.
So soll man Kindern, die Schreien, nicht ständig neue Reize bieten, weil es dann auch noch zu einer Reizüberflutung kommen kann. Also nicht mit Rassel, Schlüsseln und Spieluhren hantieren. Lieber mit dem Baby im Auto um den Block fahren, es sanft wiegen oder es mit einem Föhn lauwarm anpusten. Alles kleine Dinge, die im Notfall helfen können, wenn keine Erkrankung vorliegt.


Was mich jedoch in dieser Woche vollkommen umgehauen hat, ist der therapeutische Garten Alnarp in Schweden.
Das Gartenarbeit glücklich macht, wird in den letzten Jahren immer wieder sehr betont. Unter anderen auch sehr eindrucksvoll demonstriert, in dem Film ‚Greenfingers‘ mit Helen Mirren, der auf einer wahren Begebenheit basiert und Straftätern einen neuen Sinn im Leben gibt.
Gärtnern kann uns verändern, so scheint man sich einig zu sein. Als jemand der nicht nur ‚Achtsamkeit‘ langweilig findet und auch nicht gerne in der Erde rumkratzt, hat es mich bislang nicht weiter interessiert, aber wie es scheint, gibt es da auch noch andere Faktoren, die Heilung für die Seele bringen.
Wenn die Leute nach Alnarp kommen, sind meistens ihre Sinneswahrnehmungen noch sehr gedämpft. Wir haben gelernt, uns so zu konzentrieren, dass wir alles Unnötige ausblenden, so auch das bewusste Erleben der Umwelt mit ihren Gerüchen. Erst, wenn man die Ruhe wieder findet und wieder in Kontakt mit den Elementen tritt, werden die Sinne wirklich wieder berührt und reaktiviert. So kann man dann wieder den zarten Duft einer Rose wahrnehmen oder die salzige Luft des Meeres.
Ruhe, das war eins der Schlüsselworte, die bei mir eingeklickt sind. Einige meiner Bekannten, waren in den letzten Jahren in psychosomatischen Kliniken und wurden dort mit vollen Behandlungsplänen zusätzlich gestresst. Teilweise hatten sie fünf Minuten, um von eine Pflichtveranstaltung oder Therapiesitzung zur nächsten zu hetzen. Immer auf dem Sprung und nie hatte die Seele eine Chance hinterher zu kommen. Schwimmen, Töpfern, Gesprächsrunde, Massage ... Keiner war davon begeistert, dabei muss ich fairerweise sagen, dass meine Freunde nicht gerade die ‚gemeinschaftlich Aktiven‘ sind, aber trotzdem.
Fazit war, dass, wenn du der Gesellschafts-Mensch bist, du sicher nette Kontakte knüpfen kannst, aber für Einzelgänger ist solch eine Kur eventuell eher kontraproduktiv. Deswegen finde ich auch diesen therapeutischen Garten so spannend.
Besonders die ‚soziale Stille‘ wurde hier nämlich als angenehm empfunden. Nachdem die Leute am Anfang viel Zeit für sich benötigen, entspannt sich in ihnen auch wieder der Wunsch nach Gemeinschaft. Daher vielleicht auch der Trend, der letzten Jahre, den Jakobsweg zu pilgern. Vielleicht ist manchmal weniger doch mehr.
Ich bin ja schon lange überzeugt, dass WhatsApp, Facebook und Co. einen wahnsinnig machen können, wenn man es denn zulässt. Der soziale Druck steigt, es jedem Recht machen zu wollen. Aber zudem ertragen wir auch Stille kaum noch. Einen Stadtmensch, der eine Nacht auf dem Land verbringt, kann es wahnsinnig machen, mal nichts zu hören, außer dem Wind und dem Knacken des Holzes, das arbeitet. Vielleicht haben wir auch einfach Angst davor, dass es still ist und wir von uns selbst und all dem, was wir mühsam verdrängen, eingeholt werden. Vielleicht bedarf es dafür dann wirklich einer sinnvollen Arbeit im Grünen. Wobei Grün ja noch zusätzlich einen beruhigenden Effekt hat.
STILLE. Ein Wort, dass in unserer Zeit vielleicht eine immer größere Bedeutung gewinnt, oder vielleicht sogar schon bereits besitzt.


In diesem Sinne, wünsche ich ganz viel Ruhe und Entspannung für die nächste Woche!


Kommentare

  1. Hallo, vielen Dank für deinen neuen Beitrag. Ich habe mich sehr darüber gefreut, wieder etwas von dir zu hören. Ich habe auch irgendwie das Gefühl, dass du wieder dich etwas motivierter und besser fühlst im Vergleich zu den letzten Wochen und Monaten. Habe ich recht? Die Fotos sind wieder richtig schön und und die Videos sind auch toll ausgesucht. Ich glaube schon, dass man manchmal so viel Informationen sammelt, die für einen auch neu sind, dass man wirklich einen Schritt weiter kommt auf seinem Weg und das einen vieles klarer wird. Und wenn man eine Zeitlang mehr in sich hinein horcht, hat man auch das Gefühl, wieder ein Blick auf die Außenwelt riskieren zu können. Egal, wie sehr die anderen vielleicht schon etwas wussten oder annahmen es zu wissen, der eigene Fortschritt und das eigene Bewusstsein davon ist zielstrebend. Dieser Aha-Effekt ist entscheidend. Und den sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Ich habe mich auch sehr mit Cortisol und auch mit Entzündungen beschäftigt. Und bei allen Quellen, die ich so ausgemacht habe, waren sie sich in einem Punkt einig: Stress lässt den Cortison Spiegel deutlich erhöhen. Man könnte auch sagen, dass Stress und Cortisol ein Ping Pong Spiel spielen und Wettkampf gegeneinander antreten. Dazu kommen noch Entzündungen ist der Körper zuviel mit dem Stress beschäftigt, kann er andere Dinge nicht mehr so gut bewältigen. Daya treten auch vermehrt Autoimmunerkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Rheuma, Diabetes und andere Entzündungen des Körpers auf. Wird der Stress und die Entzündungsherde bekämpft dagegen, geht es einen insgesamt besser und manche Nebenwirkung, aufgrund des Stress wird weniger, weil die Hauptursache und nicht das Symptom bekämpft wird. Auch das Übergewicht kann gemindert werden, wenn man die Entzündung des Körpers verringert. Darum soll man auch viel Obst und Gemüse mit ihrer antientzündlichen und antibakteriellen Wirkung zu sich nehmen. Auch viele andere Stärkungsmittel wie Actimel oder Kombucha kennen dieses Wirkungsprinzip. Und plastische Diätprodukte greifen auch auf diesem Trick zurück: z.b. Senf, Chilli, Zitrone, Ingwer, Limone et cetera erhöhen alle die Körpertemperatur und bekämpfen die Entzündung. Und dabei muss man gar keine große Entzündung haben, um sich schlecht zu fühlen. Es reichen schon mehrere kleinere. Daya hat man z.b. Magenschmerzen oder Bauchweh, weil sich dahinter eine kleine Entzündung verbirgt. Und auch wenn wir uns mal richtig ärgern oder stressen, haben wir ja auch gerne mal Bauchweh Punkt deshalb lieber mal ruhig atmen und versuchen bisschen zu ziehen, damit man keine weiteren Entzündungsherde produziert. Und entzündungshemmende bzw die natürlichen Antibiotika nehmen der Natur, darunter fällt ja auch Honig.

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    1. Wow! Dafür schon einmal großen Dank, denn das Thema 'Entzündungen' ist bisher an mir vorbei. Werde jetzt mal stärker darauf achten bzw. meine Mutter, sie ist schließlich die in der Familie, die sich mit medizinischen Themen auseinandersetzt.

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    2. Ja, das mit den Entzündung war mir auch erst nicht ganz so klar. Das ist erst anders geworden, als ich mich selber damit befassen musste. Mir war zwar schon klar, dass man besser keine Entzündung haben sollte, aber welche Auswirkungen es hat, war mir nicht klar. Auch das solch kleinen Entzündungen so eine große Wirkung haben können, war mir nicht bewusst. Aber man kann ja immer mal dazu lernen. Vielen Dank dafür, dass auch Du immer Fakten sehr unterhaltsam und lehrreich verpackst :). Ich lerne auch immer sehr dazu, wenn ich deine Blogeinträge lese oder deine Vlogs mit deiner Mom sehe. Es gibt ja auch Schüsslersalze, die das Abnehmen erleichtern sollen, und die bauen wohl auch auf dem gleichen Prinzip auf, dass man Entzündungen vermeidet. So sind das alles Mineralstoffe, die die Entzündung hemmen oder sogar vermeiden sollen.

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  2. Lol, wie wäre es auch viel lieber, wenn Sokrates, einen Ausweg gegen den Tod gefunden hätte. Ich mag den Gedanken mit dem Gefängnis nicht. Selbst wenn ich an göttlicher Bestimmung glaube Komma hat doch der Körper einen Sinn. Nur durch den Körper lieben wir und er lieben wir auch Dinge, Ereignisse und können andere Menschen treffen. Und wenn der Körper keinen Sinn hätte, dann hätten wir auch keinen. Ich meine, dann wären wir mehr Einzeller oder so ich bin ja auch eher ein Skeptiker. Ich finde Glaubensrichtung und ein Glauben zu haben ist schön. Aber ich glaube nicht dass es den Glauben gibt, noch glaube ich, dass wir alles wissen. Ich habe Phasen, in denen ich sehr an Wunder glauben möchte und in denen ich auch Wunder zu sehen scheine, aber wirklich sicher sein kann man sich nicht. Und ich denke, den Glauben zu nutzen als Entschuldigung, um sich richtig oder falsch so benehmen, ist auch zu einfach. Mitgefühl kann man haben, ohne dass man an etwas glaubt und ohne dass man den menschlichen Spezies angehört. Nicht ohne Grund, sieht man immer mehr, wie Empathie auch unter anderen Tierarten zu finden ist. Und die glauben sicher nicht an Jesus, Krishna, Mohammed. Ich glaube, dass es ungewöhnliche Ereignisse gibt, die wir uns nicht erklären können und vielleicht gibt es auch keine menschlich Erklärung dafür. Das heißt nicht, dass ich nicht selbst verantwortlich handeln sollte oder die Verantwortung für mein Tun nicht übernehmen muss. Da es sich viele Gläubige meistens zu einfach machen, andere Religionen zu verachten und man sich teilweise in so einer Art Wettbewerb befindet, wer ist am frommsten, wer ist am ehrlichsten und wer kann am besten lügen ( so kommt es mir jedenfalls vor, wenn ich sehr schlecht drauf bin). Und ganz ehrlich, was haben denn alle gemeinsam: das Mitgefühl. Aber wird es praktiziert? Nicht immer. Und ich bin zwar getauft und ich hatte auch meine Konfirmation, weil ich schon den Gedanken an Gott mag. Aber ich bin nicht so gläubig, dass ich andere verurteilen muss, nur weil ich meine, im Recht zu sein. Und ich denke, es ist zwar beruhigend für die Leute, die aus irgendeinem Grund nicht alles aus ihrem Leben herausholen können. Aber das Jenseits oder was auch immer sollte nicht als Entschuldigung genommen werden, sein Leben jetzt nicht zu leben. Ich bin allerdings nicht strikt Komma wenn es an der Gedanken um Gott geht, weil ich es auch nicht ausschließen will, das Wiedergeburt oder ein ganz anderes Konzept möglich ist. Ich finde den Gedanken auch beruhigend, dass wir es nicht wissen. Ich beschäftige mich gerne mit Glaubensfragen und auch spirituellen Dingen, weiß aber nicht immer ob sie hundertprozentig wirklich funktionieren. Ich glaube an manchen Dingen ist mehr dran, als man denkt. Aber man sollte auch nicht jeden Schwindler Vertrauen schenken und manche Gruppierungen sind auch eher vorsichtig zu betrachten.

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    1. Was ich dir noch schreiben wollte. Dein Kommentar zu Sokrates geht mir nicht aus dem Kopf. Du hast Recht, unser Körper ist kein Gefängnis, sondern unsere Eintrittskarte zu unserem Leben voller Empfindungen. Soweit hatte ich in dem Moment noch gar nicht gedacht. Danke, dass du diese Brücke geschlagen hast!

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    2. Gerne, mir macht der Gedankenaustausch mit dir Spaß. Ich finde es schön zu diskutieren oder sich über das eine oder andere Thema zu unterhalten :). Der Gedanke mit dem Gefängnis kommt mir halt so erdrückend und negativ vor. Ich stelle mir zwar die Seele schon als Vogel vor, der weite Reisen unternehmen und leben will. Aber mir geht der Gedanke nicht in den Kopf, dass das Leben das Gefängnis bzw. der Vogelkäfig sein soll. Das ist so widersprüchlich, weil ich doch wie du so schön sagst, erst durch den Körper ein Leben voller Empfindungen habe. Keine Ahnung, ob die Seele alleine als "Geistwesen", Empfindungen oder Regungen hat. Da will ich auch nicht spekulieren. Aber der jetzige Zustand bietet doch so viele Möglichkeiten und das mit Gefängnis alleine abzutun, ist so pessimistisch.

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  3. Vor allem, wenn ich bestimmte Sachen auch in den Nachrichten oder privat erlebe, denke ich oftmals: Und was wäre wenn es nichts danach gebe? Würden sich die Leute dann auch so verhalten? Oder hätten sie nichts mehr zu verlieren? Ich liebe auch diese Art von Geschichten und finde es sehr interessant, was du über Hemingway & Oscar wilde so berichtest. Es ist ja auch irgendwo befriedigen, wenn man mal aus der Masse heraussticht und etwas macht, was die anderen nicht erwarten Punkt warum kommen sonst Serien wie new girl oder friends so gut an? Weil wir alle eigentlich keine Ja-Sager sein wollen, sondern individuelle Personen mit einem eigenen Charakter. Das nehme ich jedenfalls an oder es sind die Gags ;). Ich denke, dass die Stille etwas ist, was wir wieder erlernen müssen. Wenn es nicht die WhatsApp-Nachrichten die Facebook Messages oder der Fernseher ist, dann ist bestimmt das Radio an oder man klimpert an einen Online-Spiel herum. Natürlich sind das alles Sachen, die einen Spaß machen und die einen auch ein Stück ablenken, aber man muss auch mal eine Zeit haben, wo keine Notifications einen das Leben bestimmen. Sonst wird man ja nur noch bestimmt und man bestimmt sein Leben nicht mehr. Eine Welt ohne Bilder finde ich furchtbar.
    Ich liebe es über historische Ereignisse zu lesen und ich lese auch gerne meine historical fiction, aber das wäre wieder ein Grund, warum ich gerne in der heutigen Zeit lebe. Ich liebe Bilder, Fotos, Kunst. ❤❤❤ Malen, basteln, schreiben, spazieren gehen etc. Sind ja auch gute Mitte, einmal um sich zu entspannen und auch um zu reflektieren.

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    1. Mein Vater hatte ständig Fernseher und Radio laufen. Ich frage mich, wie ich das viele Jahre ertragen habe, aber es wurde mit der Zeit auch immer schlimmer. Mein Onkel ist ein extrem Fall und ich bin dort nicht gerne zu Besuch. 2 Fernseher, Musikanlage und es wird sich noch unterhalten. Ich würde vollkommen abdrehen, wenn ich so leben müsste. Ich brauche ganz viel Stille. Gaaaaaanz viel Stille. :)

      Danke für deine Kommentare und liebe Grüße zurück!

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    2. Ich lebe in einem Mehrfamilienhaushalt und da ist es manchmal schon ziemlich schwierig. Meine Großmutter z.b. liebt es den Fernseher den ganzen Tag auf voller Lautstärke anzuschalten und das Radio in der Küche laufen zu lassen. Meistens habe ich nur Ruhe in meinem eigenem Zimmer und da ziehe ich mich auch regelmäßig zurück. Und wenn der Besuch unten ist, bleibe ich meistens schon oben.

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  4. Ach ja, liebe Grüße an deine Mutter und bitte knuddel Emmi von mir. 😊Und ich wünsche euch einen hoffentlich schönen und nicht so stressigen Wochenanfang.

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  5. Liebe Sina! (ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich Dich auf diese Weise adressiere)

    Zunächst möchte ich Dir für Deinen ergiebigen und geistreichen Blogeintrag danken. Mich umtreibt seit langem - und das beschämt mich in Anbetracht meines noch recht jungen Alters - eine tiefe Sehnsucht nach Stille oder zumindest einer kleinen Oase der Ruhe, an die man sich aus unserer ganzen lärmverseuchten Gesellschaft für ein Weilchen zurückziehen kann. In meinem Falle kommt erschwerend hinzu, dass ich seit meiner Adoleszenz eine mit den Jahren stetig gewachsene (und noch weiter wachsende) Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) entwickelt habe, die mir unsere heutige, hochtechnologisierte Umwelt leider als ausgesprochen unwirtlichen Lebensort erscheinen lässt. Aber das soll nicht weiter Thema meiner Nachricht sein, denn es ist schließlich meine eigene Schuld, daß ich mich in der modernen Gesellschaft nur schwerlich noch zurecht finden kann, und ich will daher Dein Schädelsgewölbe nicht weiter mit derlei trübsinnigen und schwarzgalligen Faseleien besudeln.

    Vielmehr führte mich ein anderes Anliegen am heutigen Tage zu Dir.
    Ich hoffe, es wirkt nicht allzu befremdlich, wenn ausgerechnet irgendso ein daher gelaufenes Menschelein wie ich diese Worte äußere, aber bestell' bitte Deiner Mama alles Gute zu ihrem heutigen Ehrentag. Ich bin sehr dankbar, daß ich über euren YouTube-Kanal vor ein paar Jahren eure Bekanntschaft machen durfte, denn eure reflektierten, heiteren und anregenden Gespräche waren mir in so mancher Stunde ein willkommenes Licht in meinem ansonsten gemeinhin finsteren Lebenswald.

    Ich wünsche euch beiden alles Gute, daß ihr eure Zeit auf Erden mit Kreativität und Esprit nach euren Vorstellungen gestalten und genießen könnt, und daß nie (mehr) ein dunkler Schatten auf euer Leben fallen möge.
    Habt vielen Dank und - wie Butterfly bereits sagte - freundliche Grüße an euer liebes Hündchen!
    Jessica

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    1. Liebe Jessica,
      natürlich ist es okay mich 'Sina' zu nennen. War eh eine eher schlechte, aber damals noch unvermeidliche, Idee einen zusätzlichem Namen zu wählen. Würde es heute nicht mehr machen.

      Danke für deinen Kommentar. Ich persönlich konnte Lärm schon immer schlecht ertragen. Überhaupt bin ich ein Meister darin mit Reizen eher schlecht umzugehen. Deswegen ist es bei mir auch immer extrem ruhig. Mit Alter hat das bei mir leider nichts zu schaffen, denn zwei Tage Kindergarten und ich war die nächste Zeit krank, bis ich mich erholt hatte. Schule... Erwachsenenleben... Es hält sich. Es wird zwar nicht schlimmer, aber besser auch nicht.

      Liebe Grüße und ein herzliches 'Dankeschön' von meiner Mama. Wir haben uns beide sehr darüber gefreut, dass du dich an ihren Geburtstag erinnert hast.

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    2. Hallo Sina, ich finde das mit den anderen Namen gar nicht so schlecht. Er klingt sehr kreativ und manchmal will man sich ja von seinen Projekten auch abheben oder auch seine Identität schützen, auch gerade wenn man woanders angestellt ist. Ich habe auch Probleme mit zusätzlichen Reizen, weshalb ich eher Ruhe brauche. Zusätzliches Gewusel kann ich nicht so gut ab. Das war schon im Kindergarten und in der Schule so. Hat aber auch mit einer anderen Wahrnehmung zu tun. Nennt man auch Hypersensibilität, das heißt dass man dazu neigt zu viele Reize und Informationen aufzunehmen. Daher können keine zusätzlichen Informationen, wie Geräusche, Gerüche, zusätzliches Licht verarbeitet werden und das Resultat ist, dass das Gehirn Stress meldet. Man nimmt meistens mehr wahr als andere, z.B. kleinere Details oder auch was andere äußern oder angezogen haben oder vielleicht auch Faktenwissen. Manche sind auch ganz groß darin z.b. Emotionen von anderen aufzuspüren und auch zu fühlen ( Theory of mind). Auf jeden Fall wird man gerne dann als Einzelgänger bezeichnet ( auch weil man meistens zu dem stilleren Hobbys neigt oder mach mal Zeit für sich braucht) oder man bleibt als schräger Kopf in den Erinnerung der anderen. Ich mag lieber die Bezeichnung einzigartig und besonders. Man muss sich halt ein wenig anpassen. Aber das schöne daran ist, dass man sehr viel mehr um sich herum wahrnehmen kann ( auch das Schöne und Positive) und dies verarbeiten kann. Und ich mag es lieber einzigartig und besonders zu sein, als normal. Viel lieber.

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  6. Hallo Jessica, ich kann dich gut verstehen, dass dir nach Stille und Ruhe zumute ist. Ich bin auch noch nicht so alt, merke aber immer mehr, wie Geräusche und vor allem Lärm mir zu schaffen macht. Vor allem die Konzentration und auch die Leistung wird dadurch eingeschränkt. Daher habe ich immer mal wieder Pausen und richte mir auch meine Ruhezone ein, die ich auch wirklich benötige. Leider ist das ja fast schon gesellschaftlich ein aus, wenn man sagt, dass man Geräusche nicht so gut vertragen kann. Ich bin auch schon seit meiner Kindheit sehr geräuschempfindlich. Ich kann z.b. Schreien gar nicht ab und war deshalb schon als Kind ziemlich fertig, wenn alle um mich herum laut waren. Das ist mit der Zeit schlimmer geworden. Deshalb trage ich jetzt auch Kopfhörer oder ziehe mich eben zurück. Wie machst du das so? Ich habe auch Hypersensibilität. Auch grelles Licht ist nicht besonders gut für mich. Wünsche dir eine schöne Woche und danke für deinen Kommentar. <3

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    1. Hallo lieber Schmetterling!

      (Wußtest Du, daß der griechische Begriff ψῡχή, also Psyche, ursprünglich sekundär die Bedeutung "Schmetterling" hatte?)

      Vielen Dank für Deine freundlichen Zeilen und daß Du Dich meinen Faseleien gewidmet hast, obwohl ja eigentlich Sina's Ausführungen im Fokus stehen sollten. Ich war etwas erstaunt, daß Sina offenbar ein ähnliches Ruhebedürfnis hat wie wir beide, denn sie wirkte auf mich (und ich kenne sie ja lediglich aus ihren Videoaufzeichnungen) immer recht "robust", also widerstandsfähig.
      Ich möchte nun nicht sagen, daß es mich freut, auf Gleichgesinnte zu treffen, schließlich sprechen wir bei Hyperakusis und Hypersensibilität im Allgemeinen von einem nicht zu bescherzenden Leiden, das zumindest meine eigene Lebensqualität mit den Jahren erheblich beeinträchtigt hat, doch bin ich irgendwo schon etwas beruhigt, daß ich mit diesen Empfindungen, dieser Realitätswahrnehmung anscheinend nicht ganz allein bin. Manchmal hilft es da zugegebenermaßen schon ein wenig, sich mit anderen darüber austauschen zu können, die empathiefähig sind und nachvollziehen können, was in einem Menschen vorgeht und warum ich oft so empfindsam, ja gereizt reagiere, auf "normale" Geräusche (es beschämt mich dann auch, wenn meine lieben Menschen darunter leiden, weil ich mich wieder unnötig über einen Rasenmäher oder Ähnliches ereifere). Denn im Grunde trage ich diese Gedanken und Gefühle, diesen Selbsthass im Angesicht meiner Lebensunfähigkeit, nur im Inneren, da ich mir denke, daß meine Mitmenschen schwerwiegendere Probleme haben könnten und sich nicht noch meinen unnötigen, selbstverschuldeten Mist anhören wollen. Bei mir ist es jedenfalls mittlerweile so schlimm, daß ich den Tag nur noch mit Kopfhörern oder Ohrstöpseln oder Dunstabzugshaube (im Extremfall, um meinen Ohren mal eine kleine Entlastung zu gewähren und sie "atmen" zu lassen) überstehe, da ich mich sonst nicht auf meine Arbeiten und Tätigkeiten konzentrieren könnte und mich ständig über jeden Laut nur sinnlos aufregen würde.

      Auch interessant, daß Du Lärmresistenz und Gesellschaftstauglichkeit verknüpfst. Unsere Welt wird zunehmend lauter, so hat man das Gefühl. Als jemand, die ihre Wege größtenteils fußläufig erledigt, muß ich schon echt schauen, wo ich noch langlaufen kann, da jeden Tag neue Straßen aufgerissen werden und Fußwege durch

      Baustellen versperrt werden. Vielleicht geht man einfach davon aus, daß die Menschen sich ja heutzutage ohnehin nicht mehr viel bewegen und daher entsprechende Laufwege und Freiräume nicht mehr von Nöten sind. Okay, entschuldige meinen zugegebenermaßen leicht zynischen Kommentar. Gleichzeitig gibt es ein großes mediales Aufraunen darüber, daß immer mehr Menschen nicht mehr erholsam schlafen können, weil Flugzeuge und Hubschrauber mittlerweile mit erschreckend hoher Frequenz auch am Abend, in der Nacht und am Wochenende über die Innenstädte fliegen, so tief und laut, daß ich sie fast auf einen Landeflug mit Kaffeekränzchen in meine Dachgeschoßwohnung einladen wollte. Dann wundern wir uns immer noch ganz theatralisch, wieso immer mehr Menschen an Burnout, Konzentrationsschwäche und Leistungsabfall leiden und beschweren uns als Arbeitgeber, wenn unsere Mitarbeiter wegen entsprechender Heilkuren im Betrieb oder Büro ausfallen.

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    2. Ja, mich schätzt niemand so ein, der mich trifft. Selbst enge Freunde, glauben mir meist nicht, wenn ich ihnen davon erzähle, weil sie mich nicht so kennen. Es ist die Maske, die ich seit Kindheit habe. Danach werde ich dann aber regelmäßig krank oder fühle mich unwohl. In der Situation an sich, kann ich alles gut verdrängen und das 'Spiel' mitspielen. Mich holt es immer erst später mit einem Paukenschlag ein.

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    3. Um ehrlich zu sein, kann ich dir da nicht zustimmen. Ich finde, dass Hypersensibilität zwar manchmal eine Challenge ist, aber es als Leiden einzustufen, ist zu viel. Nicht ohne Grund sind viele Künstler, Musiker und Hochbegabte meistens durch einen besonderen Hör-, Geruchsinn oder einer besonders guten Farbwahrnehmung auch gewissermaßen gesegnet. Natürlich hat das Nachteile, wie so viele Dinge im Leben. Aber es bringt mir auch Chancen und man erlebt auch vieles intensiver, was schön ist. Ich glaube, Sina ist robust und widerstandsfähig, das heißt aber nicht, dass sie nicht empfindsam ist. Viele glauben auch von mir, dass ich indifferent bin oder keine Gefühle zeige, nur weil ich sie gut verstecke. Besonders, wenn ich sehr gestresst bin, geht es mir so. Und ich habe zwar manchmal Phasen, in denen ich Stress leichter erlebe, weil ich in dem Punkt empfindlicher reagiere, aber andere haben dafür vielleicht Probleme in anderen Bereichen. Das gleicht sich meistens sehr gut aus. Ich bin z.B. meist bei Problemen gelassener und behalte eher einen kühlen Kopf, was bei anderen schon Hysterie auslöst. Es hängt alles mit unserer Betrachtungsweise aus. Und alleine weil ich seit einiger Zeit versuche, achtsamer mit meinen Worten umzugehen und meine Situation positiver zu sehen, möchte ich es nicht als Leiden sehen. Und ich freue mich durchaus auf Leute zu treffen, die ähnliche Empfindungen haben, auch um Informationen auszutauschen. Man kann ja z.B. auch über den Sonnenaufgang reden und wie man den erlebt oder andere positive Ereignisse. Z.B. sehen manche Künstler und Empathen ja auch das Licht viel intensiver (die Farben vor allem). Oder das Sina erzählt hat, wie sie sich beim Tanzen auspowern kann auf eine positive Art und Weise und nur im Moment und bei der Musik ist. Das ist auch eine Gabe. Ich fühle zwar mit, wenn jemand Probleme hat und sich nicht wohlfühlt und darum habe ich auch auf deinen Kommentar geantwortet. Jammern wollte ich aber nicht, sondern mich nur erkundigen, was du für Erfahrungen gemacht hast und ob du vielleicht gute Empfehlungen hast, was man dann machen kann. Ich habe es eine Zeit lang auch zu lange als Leiden gesehen und hatte auch mit einer Bekannten sehr lange Gespräche darüber, die das auch so sah. Dadurch verringerte sich aber meine Lebensqualität deutlich und statt die Sonnenaufgänge zu sehen, war ich nur noch mit Lärm und Ähnliches beschäftigt. Denn wenn wir das nicht an uns akzeptieren, diese Gabe, dann akzeptieren wir uns auch nicht. Also entsteht auch der Selbsthass in uns, da wir unser Augenmerk nur auf die negativen Dinge lenken. Ich bin auch kein Experte darin, aber ich will mich darin üben, positiv zu bleiben. Meistens wird von außen ja verlangt, dass man sich fängt und robust ist. Daher verstehe ich Sinas Kommentar mit der Maske. Ich wollte auch nur andeuten, dass mir aufgefallen ist, dass z.B. die Tendenz mit dem zweiten Bildschirm (Handy und Fernsehen) und auch diese kleinen Lautsprecher, die man überall mitnehmen kann, eigentlich nur dazu beisteuern, das die Aufmerksamkeitsspanne nachlässt. Und trotzdem ist es ein Muss und um cool zu sein. Aber ich hätte das vielleicht einfach weglassen sollen. Es ist mir nur aufgefallen, dass diese Tendenz zunimmt. Und ja, ich glaube, dass diese Tendenz und unser Wunsch alles schnell erledigen zu müssen zu Konzentrationsschwäche, Leistungsabfall und Burnout führt. Multitasking geht wissenschaftlich ja auch nicht, weil wenn man tatsächlich sich auf verschiedenen Dinge zur gleichen Zeit konzentriert, die Leistung automatisch absackt. Die Leistung bleibt immer gleich und kann nicht ins Unendliche erhöht werden, dass heißt für jede Aufgabe, die man zusätzlich erledigt, splittet man sozusagen sein Leistungsvermögen und irgendwann ist es alle.

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    4. Das fand ich auch bewundernswert, als Sina von ihrem Tanzen erzählte, daß sie darin aufgeht und Erfüllung findet und ihren Kopf auf eine positive, befreiende Art mal vorübergehend ausschalten kann. Mir fällt es leider sehr schwer, meine "reizvolle" oder reizüberflutete Umwelt auszublenden. Ich finde zum Beispiel auch all jene Menschen beneidenswert, die sich einfach so ad hoc hinlegen und mal eine halbe oder ganze Stunde schlummern können. Selbst wenn ich Dinge tun wollte, die mich normaler Weise mit Freude erfüllen, Zeichnen, Lesen, Recherchieren, Videospiele spielen, reicht schon ein Rasenmäher aus, um meine Konzentrationsfähigkeit vollkommen zu eliminieren, so dass ich zu nichts mehr zu gebrauchen bin. Dann will ich mich einfach nur verkriechen und in Van Gogh'scher Verzweiflung am liebsten
      die Ohren abschneiden. Vielleicht hätte ich also nicht von mir auf Dich schließen und den Begriff der Hypersensibilität leichtfertig mit einflechten dürfen. Ich bezog mich dabei lediglich auf meine eigene Hyperakusis, also meine unnormale Empfindlichkeit gegenüber akustischen Reizen (die mich mein alltägliches Leben leider mittlerweile zu einem Großteil nur noch als sinnlose und schwer zu ertragende Mühsal wahrnehmen lässt). Das war einfach ein begrifflicher Lapsus meinerseits. Denn Du hast natürlich Recht, Empfindsamkeit ist eine ausgesprochen schöne Fähigkeit und Tugend, die es zu hüten und auszukosten gilt. Insbesondere in unserer modernen,

      abstumpfenden Arbeitswelt, wo die Mehrheit der Menschen ihre Arbeit leider nur noch als notwendiges Übel zum Broterwerb betrachtet, und nicht mehr als wahre "Berufung" erleben kann. Ich meine auch, daß ich durch die Erfahrungen der Abschätzigkeit und Intoleranz in meiner Schulzeit erst wirklich gelernt habe, offener und

      empfänglicher für die Vielfalt des Lebens zu werden und andere Menschen nicht vorzeitig abzufertigen und abzustempeln. Wenn man eine Form von Leid einmal am eigenen Leib erfahren hat, dann lernt man, glaube ich, automatisch empathiefähiger und rücksichtsvoller zu sein. Deswegen ist unserer heutigen Generation ja auch gewissermaßen das Gefühl der Wertschätzung abhanden gekommen, weil der letzte Krieg schon zu lange zurückliegt und wir nie das unsagbare Leid dieser Mangelverhältnisse miterleben musste.

      Nun aber genug Trübsal geblasen.
      Ich wünsche euch allen ein erholsames und sonnenverwöhntes Wochenende! (^_^)/

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  7. Ich hoffe, du hast auch meine Geburtstagswünsche für deine Mom auf Instagram entdeckt. Du musst natürlich nicht antworten. Das verstehe ich vollkommen. Ich wünsche mir nur, dass die Wünsche euch ein Lächeln ins Gesicht zaubern :).

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  8. Aber genug "gerantet", an dieser Stelle muß ich mich wohl bei Dir, Sina, entschuldigen, daß wir Deinen Blog für unsere nervlichen Dilemmata "mißbrauchen". (^_~)
    Um noch etwas Sinnvolles zu Deinem Artikel beizutragen, fiel mir bei Deinen (übrigens sehr unterhaltsam geschriebenen) Ausführungen zum Thema Cortisol ein englisches Video ein, das ich vor einiger Zeit auf dem Kanal WhatIveLearned sah. Er veranschaulicht recht komprimiert und verständlich den Einfluß von Dopamin und Bewegung auf unsere Motivation und auch unsere Fähigkeit, mit Streß umzugehen. Vielleicht hast Du irgendwann einmal Muße und vor allem Zeit, es Dir anzuschauen (ich hab' Dir mal den relevantesten Aspekt als Timestamp verlinkt) https://www.youtube.com/watch?v=DsVzKCk066g&t=11m31s

    Freundliche Grüße und vorab ein hoffentlich erholsames, heiteres Wochenende!
    Jessica

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    1. Danke :)

      Habe es mir gerade angesehen und wieder etwas dazugelernt.

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  9. Wieder was gelernt :-) Danke !

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  10. Liebe Sina!
    Entschuldige, daß ich Dich noch mal nerve, aber bei Deinem nom-de-plume Cassandra/Cassie mußte ich unweigerlich neben der mythologischen Figur auch an eine Mystery-Serie namens Hex denken, die seinerzeit als eine Art britische Buffy beworben wurde, aber bis auf ein paar Dämonen und Hokuspokus eigentlich gar nicht so viel damit gemein hat. Jedenfalls heißt der Hauptcharakter auch Cassie. Ich fand die Serie ziemlich sehenswert, da neben dem dramatischen Aspekt dank eines gewissen Sidekicks namens Thelma der Humor nicht zu kurz kommt. In der Serie spielt übrigens auch Michael Fassbender eine tragende Rolle, falls Du ihn kennst. Das war noch vor seinem "Durchbruch" in Hollywood. Ich persönlich finde ja das Internatssetting mit dem altenglischen Herrenhaus und die damit verbundene Atmosphäre sehr ansprechend. Und da Du Buffy, wenn ich mich recht entsinne, recht gern mochtest, kannst Du ja vielleicht bei Gelegenheit mal einen Blick riskieren. Die Folgen gibt es in der englischen Originalfassung auf YouTube, gib' einfach "Hex Season 1" oder so. Alles Gute! (^_^)/

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