Buchcover versus Inhalt - Wenn man etwas anderes erwartet



Jeder Leser in meinem Bekanntenkreis kennt es - Manchmal wollen Cover und Inhalt einfach nicht übereinstimmen. Dabei geht es nicht um ‚schönes Cover – miese Story‘, sondern um etwas, das weniger subjektiv zu bewerten ist. In meinem aktuellen Fall, war es die Stimmung des Buches, die dem des Covers nicht entsprach. 
Ich dachte, ich spaziere in eine Komödie und landete stattdessen in einem ausgereiften Drama. Dabei war Drama gerade das, was ich vermeiden wollte. 
Wenn ich krank zu Bett liege, will ich geistig Urlaub machen und nicht im wahrsten Sinne des Wortes Schiffbruch erleiden. Okay, vielleicht schon, aber dann doch bitte humorvoll.

Es ist mir jetzt schon häufiger passiert, und auch Autoren, die ich kenne, klagen immer mal wieder darüber, dass das Cover ihres neuen Buches und der Inhalt irgendwie nicht zusammen passen wollen. Die Verlage geben Cover in Auftrag, die sich verkaufen sollen, und die Autoren stöhnen, dass es, wenn es falsche Erwartungen weckt, doch nur schlecht ausgehen kann, für den Roman und den Namen des Autoren.
Nehmen wir einmal an, ich freue mich auf meine geliebte Käsepizza, mache den Karton auf und darin befindet sich eine Lasagne. Dann kann man garantiert davon ausgehen, dass ich nicht freudig ausrufen werde: ‚Oh! Wie genial!‘. Ich habe ja nicht umsonst die Käsepizza gewählt und nicht die Lasagne. Selbst wenn ich beides mag, war mir an diesem Tag sicher definitiv mehr nach Pizza, sonst hätte ich mir ja die Lasagne gekauft.
Und das ist nicht nur beim Essen so! Wenn wir bewusst einen Urlaub in Kanada buchen und in Indien landen, sind wir ebenso wenig begeistert, als wenn wir uns ein schwarzes Kleid für eine Beerdigung kaufen und zu Hause feststellen, dass es sich pink verfärbt, wenn es mit der Haut in Berührung kommt.
Vielleicht liegt das alleine schon damit zusammen, dass der Mensch gerne an seinem Weltbild festhält, weil es ihm Sicherheit verspricht. Die Dinge sollen bitte schön das sein, was sie auch vorgeben zu sein. Und sollte es zu Abweichungen kommen, dann sagt man es uns besser vorab.
Erdbeeren haben Erdbeeren zu sein und nicht zu schmecken wie Mandeln. Unser hilfsbereiter netter Nachbar, sollte sich nicht als Kettensägenmörder entpuppen und wenn unser Auto über Nacht gelernt hat zu fliegen, wird es uns vermutlich auch erst einmal in Panik versetzen.
Mit anderen Worten – wir wollen vorbereitet sein! 
Überraschungen sind nett, aber in der Regel auch eine heikle Angelegenheit. Außer wir kaufen uns eine Wundertüte und somit das Gefühl von ‚nicht wissen, was uns da erwartet‘. Oder wir greifen ganz bewusst mal nach einem Buch, das nicht aussieht, als würden wir normalerweise dazu greifen, doch selbst da, sollte das Cover halten, was es verspricht. 
Gerade weil man im Leben niemals auf glückliche Zufälle und Schicksalsschläge wirklich vorbereitet sein kann, will ich es bei den von mir ausgewählten Realitätsfluchten sein. Es gibt mir ein Gefühl der Sicherheit und Kontrolle in einer unsicheren Welt.
Aus diesem Grund neigen wir doch alle dazu, in stressigen und sorgenvollen Zeiten zu Büchern/Filmen zu greifen, die wir schon gefühlte hundertmal gelesen/gesehen haben. Weder Story noch Charaktere können uns dann noch überraschen und gerade das beruhigt unsere Nerven, lässt uns in die Geschichte hineinfallen. Wir wissen, wie es endet. Wir sind vorbereitet!


Das Buch, um das es jetzt hier im Speziellen geht, ist ‚Echt mieser Zufall oder Wie ich einen Kuss wollte und beinahe dabei draufging‘ von Kathy Parks.
Himmelblaues, witziges Cover. Da schwebt ein Klavier über einem Mädchen mit Heiligenschein. Ein Papagei zieht an einem anderen Mädchen, zwei weitere stehen auf einer Palme ... Vielleicht hätte ich den Haien mehr Bedeutung schenken sollen, oder der Junge, der aussieht, als wäre er ausgerutscht. Es kann sein, dass es wirklich an mir liegt, aber ich dachte ‚Das sieht süß aus‘, ein wenig wie Jonglieren von Palme zu Palme, oder so. 
Ich mag es ja, wenn es in Romanen etwas verrückt zugeht und auch der Titel klang nicht nach einem Drama. (Im englischen Original klingt das doch ein wenig anders. Da heißt es ‚The Lifeboad Clique‘ und das Cover ist zwar sommerlich, aber doch ‚nüchterner‘).
In der Kurzbeschreibung, las ich dann von einer Riesenwelle, was nicht wie eine dramatische und alltägliche Art zu sterben klingt. Erster Kuss, Trümmer eines Strandhauses und dann mit den Feinden von der Highschool festzusitzen auf dem Meer, das könnte Spaß bedeuten. Könnte, war es aber in diesem Fall nicht.

Es ist wie bei Woody Allen in dem Trailer zu ‚Melinda und Melinda‘, hier kann man tatsächlich sagen, dass die meisten Stories Potenzial haben eine wunderbare Komödie zu sein ... oder halt eine Tragödie. Wie immer man will. Auch der Roman von Kathy Parks hätte alle Voraussetzungen janusköpfig zu sein. Es kommt immer darauf an, wie sie erzählt wird und wer sie erzählt. Bei einem Christopher Moore oder einem A. Lee Martinez, wäre es sicher ein teuflischer Spaß geworden.

Wie immer in solchen Momenten, suche ich zunächst die Schuld bei mir. Habe ich eine falsche Wahrnehmung? War das jetzt eventuell doch amüsant? Stopp! Ich bin gerade dabei Schluss zumachen mit dem ständigen Hinterfragen meiner Person, also sage ich jetzt mal ganz deutlich: Das war nicht lustig! Für mich jedenfalls nicht.
Versteht mich nicht falsch, ich fand den Roman sehr gut geschrieben. Ich kam nicht davon los und ich mochte die ‚Lektionen fürs Leben‘, die das Buch vermittelt. Aber es geht hier schlicht um die Erwartungshaltung, die beim Leser geweckt wird.
Ich will euch nicht spoilen, daher werde ich nichts über den Ausgang verraten, aber es kam schon heftiger, als ich es erwartet habe. Bei einem Buch, wie ‚Loveletters to the Dead‘ war ich vorbereitet.
Dabei muss man sagen, dass das Cover bei ‚Echt mieser Zufall‘ von der Symbolik zur Geschichte passt, nur eben nicht zur Stimmung. Es kommen tatsächlich Klavier, Heilige, Papagei und Meer vor. Nur die Komik habe ich vergebens gesucht.
Es ist ja, wie oben schon beschrieben, kein Einzelfall. Meine Mutter las einen Roman, der nett wie ein Frauenbuch aufgemacht war, aber letztlich ging es nur ums Sterben. 
Ein anderes Buch ‚Emma verduftet‘ zeigte auf dem Cover eine Frau, die im Friesennerz in einem Schlauchboot  an einem Campingplatz vorbeirudert, aber es ging um Südfrankreich, Parfüms und die eher feine Welt. Aber zu der Zeit war diese Art der Covergestaltung ‚IN‘.
Eine Freundin von mir schwor sich nach einem Leseerlebnis: ‚Das war das letzte Buch mit ‚Glück‘ im Titel, das ich lesen werde. Wenn das Wort Glück auf dem Cover steht, dann ist Tod und Siechtum drin‘.
Das kann niemand gebrauchen, der gerade tatsächlich nach etwas Glück sucht, weil das Unglück im eigenen Leben überwiegt, und man darunter leidet. Da wird dringend nach einer kleinen Auszeit von all dem Leid, Tod, Krankheiten etc. gesucht. 
Dem Verlag mag es einleuchten, dass ein Wort wie ‚Glück‘ sich derzeit gut verkauft, ebenso wie Tragödien, aber vielleicht ist der Mix nicht sonderlich förderlich, für den unvorbereiteten Leser, im schlimmsten Fall verstörend.
Du bekommst, was du siehst - eigentlich ein gutes Verkaufsargument, bei dem Händler und Verbraucher auf der sicheren Seite stehen. 
Ein Buch ist bestenfalls ein Urlaub vom Alltag, ein Seelentröster oder ein Freund, der uns mit jeder Seite vertrauter wird, etwas, dass die Seele berührt und uns neue Kraft tanken lässt oder vor Spannung zittern lässt. Zumindest die Unterhaltungsliteratur.
Auch wenn es ein bekannter Spruch ist, dass wir ein Buch nicht nach dem Cover bewerten sollten, tun wir es dennoch. Das liegt einfach in der Natur des Menschen.
In diesem Sinne, möchte ich Euch ein TED-Video ans Herz legen, damit Ihr einmal sehen könnt, wie sinnvolle und zudem gut durchdachte Covergestaltung aussehen kann.
Habt ihr euch auch schon einmal aufgeregt, weil Cover und Inhalt nicht zusammenpassten?

Eure Cassie



Kommentare

  1. Bei Sachbüchern kann es auch vorkommen. Danke für den tollen Beitrag :-)

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