Selbstsabotage - Nichts weiter, als ein Airbag fürs Ego?


Wir legen uns selbst Steine in den Weg. Wir bleiben in unserem Käfig, obwohl die Tür weit offen steht. Wir stellen uns selbst ein Bein und sägen uns den Ast ab, auf dem wir sitzen. Wir alle kennen es - die Selbstsabotage. Und ganz ehrlich? Ich zumindest fürchte sie, denn sie ist mein ständiger Begleiter auf meinem Weg durchs Leben, auch bei meinen Freunden und Bekannten scheint dieses Verhalten immer wieder dafür zu sorgen, dass sie ihre Ziele verfehlen.

Man kann dieses Verhalten als einen Airbag fürs Ego sehen, wie ich gerade erfahren habe. Dabei empfand ich Selbstsabotage immer als eine meiner größten Schwächen. Aber vielleicht kann ich mich jetzt mit ihr anfreunden, wenn ich begreife, dass es letztlich ein Schutzmechanismus meines Unterbewusstseins ist. Es könnte mir vielleicht ein bisschen mehr Seelenfrieden einbringen, aber trotzdem habe ich noch einige Schwierigkeiten damit.
Aber wie funktioniert dieser Ego-Airbag? Bevor ich dafür einstehen muss, dass ich bei etwas versagt habe, schaffe ich lieber (gleich) Umstände, warum es gar nicht gelingen kann. Ganz schön clever, wenn man genau darüber nachdenkt, nur leider nicht sonderlich produktiv für die Karriereleiter ...

Zur Selbstsabotage neigen wir besonders, wenn wir gerade etwas richtig gut gemacht haben und dafür Lob erhielten. Auffällig anfällig sind Menschen, die Preise gewonnen haben oder für ihr Werk ausgezeichnet wurden. Die Erwartungen der Mitmenschen werden dann so hoch, dass wir meinen, diesen nicht mehr standhalten zu können.
Ein berühmtes Beispiel ist Ernest Hemingway, der nach dem Erhalt des Nobelpreises in Depressionen verfiel. Wie wollte er das auch noch übertreffen?
Noch ein Beispiel für Selbstsabotage aus der gleichen Ära, ist wohl auch Hemingways zeitweiliger Freund F. Scott Fitzgerald, der nach dem Erfolg seines ersten Buches, lieber feierte und so viel trank, wie die durstige Kehle hinunter rinnen konnte. Von wegen alles nur die Schuld seiner Ehefrau Zelda, weil sie ihn ablenkte, da wollte jemand vermutlich abgelenkt werden! Letztlich zerbrach Fitzgerald am Erfolgsdruck, dem Ruhm, den Partys und dem Alkohol. So tragisch muss es ja nicht immer enden.
Ein erfolgreicher amerikanischer Autor meinte, dass er lieber mit jedem seiner Bücher einen guten Erfolg erzielen möchte, als den ganz großen Wurf zu landen, wie J. K. Rowling mit Harry Potter. Das würde weniger Druck aufbauen.

Frauen neigen wohl eher dazu, schon im Vornhinein, die Erwartungen der anderen herunterzuschrauben, was eine sehr schlaue Taktik ist. So verkünden sie, dass eine Erkältung im Anzug sei oder sie in der letzten Zeit kaum geschlafen hätten. Damit nehmen sie sich selbst den Druck, besonders erfolgreich sein zu müssen, können aber trotzdem noch das Beste aus sich herausholen. Und das ist ihnen auch besonders wichtig. Frauen beruhigt es nämlich, wenn sie später von sich sagen können: ‚Ich habe wenigstens mein Bestes gegeben!‘, wobei dies, für Männer einem Eingeständnis von Schwäche gleich käme. Alles eine reine Erziehungssache? Männer bekommen als Kind noch immer in erster Linie Anerkennung, wenn sie ein Tor schießen, und nicht wenn sie 'nur' ihr Bestes auf dem Spielfeld gegeben haben. Hier zählt weniger der olympische Gedanke als derjenige zu sein, der ganz oben auf dem Siegertreppchen steht. Ganz nach dem Motto, man gewinnt kein Silber, sondern verliert nur Gold. Besser man hat dann eine Ausrede, schließlich will niemand gerne ein Verlierer sein.

Zunächst einmal heißt es also, zu verstehen, dass wir uns mit dem Verhalten der Selbstsabotage schützen wollen, statt uns deswegen auch noch zu verfluchen.

Natürlich gibt es auch noch einen Weg wieder raus aus diesem zerstörerischen Verhalten und das ist der Selbstwert. Je mehr wir davon aufbauen können, desto stärker ist unser inneres Fundament. Wir trauen uns dann mehr zu und unser Unterbewusstsein sieht sich weniger dazu veranlasst, uns absichtlich ein Bein zu stellen.

Selbstsabotage läuft auch unter dem Decknamen Paradies-Syndrom, hört sich nett an, ist es aber nicht. Lotto-Gewinner sind ein gutes Beispiel. Kaum haben sie die Millionen auf dem Konto, ist es auch meist ganz schnell wieder weg und obendrauf gibt es oft noch Schulden. Oder wenn man attraktiv ist und alles daran setzt, auf keinen Fall so zu wirken..
Wir sabotieren uns nämlich nicht nur, wenn wir meinen, dass unser Ego geschützt werden muss, sondern auch, wenn wir meinen, dass wir den Erfolg nicht verdienen. Beide Motive gehen meistens Hand in Hand.

Ihr kennt mein großes Motto: Kümmere dich um deinen Selbstwert!
Auch hier greift es also wieder.

In diesem Sinne, nehmt Euch Zeit und die Muße Euch selbst schätzen zu lernen!


Kommentare

  1. Hallo liebe Glimmerfeen,

    Die Selbstsabotage ist ja auch das, was uns evolutionstechnisch gesehen vor Fressfeinden geschützt hat. Wenn uns irgendwas seltsam vorkam oder wir aus unseren ursprünglichen Verhalten ausbrachen, wurden wir ja meistens gefressen. Es gibt zwar Individuen, wie z.b. bei den Mäusen, die von der Gruppe losgeschickt werden, um das Terrain zu erkunden. Aber man weiß das Ergebnis....
    Vielleicht könnte dich ja auch das Impostor Syndrom interessieren, da wird das Verhalten besonders von Menschen, die z.b. Pulitzer Preise gewonnen haben, analysiert.
    Ich denke mittelmäßiger Erfolg ist auch langanhaltender.
    Das mag so sein. Aber trotzdem hört man häufig, dass das Beste geben nicht genug ist. Selbst als Frau.
    Ein Selbstwert zu entwickeln ist wirklich die Basis für alles.

    Liebe Grüße auch an Ilona und Emmi ❤.

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    1. Von dem Impostor Syndrom sprechen auch Neil Gaiman und Amanda Palmer immer wieder. Sie nennen es 'Betrüger Polizei', die irgendwann auftauchen wird und sagt, dass sie nichts draufhaben. Danke! Jetzt kann ich das 'Kind' wirklich beim Namen nennen :)

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